Warum ein bunter Lebenslauf deine Chance sein kann

Früher war mehr Lametta! Aber war deswegen auch alles besser? Früher galt es als auch erstrebenswert, die gesamte Berufslaufbahn in einem Unternehmen zu verbringen. Aber hat das noch Gültigkeit?

Wahrscheinlich beantwortest du diese Frage spontan mit „Nein“, weil du weißt, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber bedeutet das automatisch, dass du mit deiner eigenen Laufbahn, Stand heute, zufrieden bist? Nimmst du deinen Lebenslauf bedingungslos an und bist stolz auf das, was du erreicht, gelernt und geleistet hast? Auch wenn jetzt schon einige Wechsel und Unebenheiten dabei sind? Ich hoffe es von Herzen, aber…

Der eigene Lebenslauf wird oft überkritisch bewertet

Viele Menschen haben irgendetwas an ihrem Lebenslauf auszusetzen, suchen einen Roten Faden, finden ihn nicht und geben sich deswegen von vornherein mit weniger zufrieden oder hadern mit ihrem beruflichen Schicksal: „Hätte ich das damals nur anders gemacht.“ oder „Rückblickend hätte ich etwas ganz anderes machen sollen!“ oder „Wie soll ich diese Lücke nur erklären?“

Kein Wunder! Viele Jahre lang wurde uns eingetrichtert, dass Elternzeiten, zu häufige Jobwechsel – geschweige denn „Lücken im Lebenslauf“ alles andere als förderlich für die Berufslaufbahn sind.

Während meines Urlaubs erreichte mich dann diese Anfrage: „Auf der Suche nach Inspiration und Nervenberuhigung bin ich glücklicherweise auf Ihr Angebot gestoßen. Ich habe ganz kurzfristig eine für mich sensationelle Jobchance in Aussicht. Da ich zwar weiß, dass ich gute Arbeit leiste, gleichzeitig aber aufgrund meines bisherigen Werdegangs dazu neige, mich durch Selbstsabotage zum Zweifeln zu bringen, glaube ich, dass Ihr Beratungs- und Coachingangebot genau das richtige zur Vorbereitung auf das Gespräch für mich ist, denn ich habe einen recht „bunten“ Lebenslauf.“

Ich musste bei dem Wort „bunt“ gleich wieder an meinen Großvater denken, der kürzlich 103 Jahre alt geworden wäre und dessen Motto: „Das Leben ist bunt“ mich von klein auf begleitet hat. Die Ankündigung eines „bunten“ Lebenslaufs erfüllt mich vielleicht auch deswegen immer wieder mit einer gewissen Vorfreude, denn meistens sind das die besten Geschichten!

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Ich vereinbarte sofort einen Telefontermin, machte es mir kurz darauf in der Hotel-Lobby mit einem Kaffee bequem, ich war immer noch im Urlaub, aber eine gute Geschichte lasse ich mir nie entgehen, und freute mich auf die Details. Kurz vor dem Gespräch erhielt ich den Lebenslauf per Mail. Und tatsächlich: Auf den ersten Blick passte nicht viel zusammen. Zeit für ein paar Rückfragen.

Was steckt wirklich hinter dem Lebenslauf?

Was mir sofort auffiel in den ersten Momenten unseres Gespräches war die positive Haltung zum Leben und die Verbindlichkeit meiner Gesprächspartnerin. Wie aufgeräumt sie mir von den Stationen ihres Lebens berichtete und was sie daraus gelernt hatte. Wie mehrere Schicksalsschläge zu dem geführt hatten, wer sie heute war und was sich daraus durchaus auch Positives entwickelt hatte. Von Opferhaltung keine Spur.

Erst als die Sprache wieder auf das bevorstehende Vorstellungsgespräch und den „bunten Lebenslauf“ kam, sackte sie in sich zusammen, so dass es merklich an der Stimme zu hören war.

Dabei hatte sie alles richtig gemacht: Sie hatte sich nach den Unruhen ihres Lebens wieder einen ganz kleinen Wirkungskreis gesucht, in dem ihre vielfältigen und auf unterschiedlichste Weise erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse, ihre Empathie und ihre positive Art nicht lange unentdeckt blieben.

Eine Bekannte innerhalb dieses Wirkungskreises empfahl sie an ein bekanntes Unternehmen weiter. Zunächst nur für eine Vertretungsstelle eingesetzt erhielt sie dort nun also schon nach kürzester Zeit dieses Angebot, sich intern auf eine begehrte Stelle in Festanstellung zu bewerben. Man war schnell davon überzeugt, dass die Kandidatin mehr als bereit und motiviert war, alles in kürzester Zeit zu lernen, was ihr fehlte.  Eigentlich ein Happy End, oder? Noch nicht ganz!

Der Lebenslauf als Chance

Meine wunderbare Kundin war ja überzeugt: Wenn der Entscheider ihren Lebenslauf sehen würde, wäre alles vorbei – gute Arbeit hin oder her. Es würde auffliegen, dass sie keine ausreichenden Erfahrungen vorzuweisen habe und man würde erkennen, dass ihre Berücksichtigung ein ganz großes Missverständnis gewesen war. Mit DEM Lebenslauf? Wie sollte das gehen?

Glücklicherweise durfte ich ins Spiel kommen ;-) Natürlich ließ sich auch in diesem Lebenslauf – wie fast immer und mit etwas Abstand betrachtet –  ein Roter Faden finden und herausarbeiten, so dass beim Lesen ein Verständnis dafür entstand, was sich hinter Kursänderungen und Pausenzeiten verbarg und mehr als das: Was sie daraus lernen und mitnehmen konnte – was sie einzigartig machte.

Besonders Soft Skills wie Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Organisationsstärke, Konfliktfähigkeit und Eigeninitiative resultieren häufig aus Situationen, in denen eben nicht alles rund und wie von alleine lief. Erfahrungsgemäß lernen wir in ruhigem Fahrwasser am wenigsten.

Sicher, es gehört auch Mut dazu, zum eigenen Lebenslauf zu stehen, wenn nicht alles nach Plan gelaufen ist und wenn Absagen eintrudeln, weil Abschlüsse fehlen und Pausenzeiten da sind (statt umgekehrt). Letztendlich kommt es aber wie so oft auf die Perspektive an, mit der man auf die Dinge schaut  – ist der Lebenslauf halb leer oder halb voll? Was steckt wirklich hinter den Dingen und was hast du daraus mitgenommen?

„Diese Lücke war nicht geil, aber lehrreich…“ formulierte es eine andere Kundin neulich ganz offen in ihren Lebenslauf (bitte nicht zuhause nachmachen, das muss schon wirklich zum Unternehmen passen, bei dem man sich bewirbt)

Und meine Kundin? Was glaubst du, hat sie den Job trotzdem bekommen oder gerade deswegen? ;-)

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.
Epiktet

Hast du auch einen „bunten Lebenslauf“? Hinterlasse gerne deine Meinung in den Kommentaren! 

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5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Also mir stellt sich gerade die Frage, was genau ich unter „bunt“ zu verstehen habe. Meine berufliche Vita ist auch geprägt von Jobwechseln und Richtungsänderungen – wenn auch nur kleinere. Zu jedem dieser Änderungen/Jobwechsel gibt es einen Hintergrund – nur ist das für die meisten Personaler uninteressant. Und ehrlicherweise würde ich als Chef auch nicht gerade jubilieren, wenn sich jemand mit einer sprunghaften Karriere in meinem Unternehmen bewerben würde.
    Die heutige Arbeitswelt ist aber statt von Stetigkeit eher von Umbrüchen, Neuanfängen und Jobwechseln geprägt. Und das macht es für einige Personen, die sich nicht mit irgend einem Job abfinden wollen, schwierig einen „geraden beruflichen Lebensweg“ vorzuweisen. Mein Lebenslauf zeigt auch keine Gerade sondern eher einen mäandernden Lebensweg. Für viele Personaler oder Geschäftsführer ein Grund mich nicht zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Dabei kann ein Lebenslauf an sich doch überhaupt keine ernsthafte Aussage über die Fähigkeiten, Talente, Persönlichkeit und Engagement eines Mitarbeiters treffen. Und lautet nicht ein weiser Spruch „Der Weg ist das Ziel!“?
    Ich bin nicht wirklich stolz auf meinen „krummen Lebenslauf“, aber es gab und gibt Gründe warum es so ist, wie es ist. Und mein „roter Faden“ ist, dass ich eben gerne Kaufmann bin (oder Kauffrau).

    Persönlich fände ich es gut, wenn der Lebenslauf ein Kriterium, aber nicht das Kriterium für eine Personalauswahl ist. Ich drücke uns allen, die einen „bunten Lebenslauf“ haben, die Daumen, dass auch wir unsere Chancen erhalten und die Personaler unsere Potenziale erkennen.

  2. Eine Geschichte mit HappyEnd. Was für den Einen der Wechsel ist, ist für den Anderen die Beständigkeit. Mein Lebenslauf ist gezeichnet von Löchern und Wechsel, aber aktuell bin ich gut aufgehoben und das schon ganz schön lange.
    Aber wie verkauft man einem Recruiter/Personaler einen Wechsel nach langer Beständigkeit?

    1. Hey Michael,
      berechtigte Frage und Stoff für einen neuen Blog-Beitrag, oder? :-) Auf die Schnelle: Genauso wie einen häufigen Wechsel: Mit dem Fokus auf die Vorteile und all das, was du dadurch gelernt und erfahren hast. Zum Beispiel tiefgreifende Einblicke in Prozesse und Strukturen, sukzessiven Ausbau deines Tätigkeitsbereiches, Loyalität und die Gewissheit, dass du auch den nächsten Job nicht bei erstbester Gelegenheit wieder hinschmeißt. Welche Vorteile fallen dir noch ein?
      Viele Grüße
      Cathrin

  3. Oh ja, ich kann bei diesem Beitrag nur mit dem Kopf nicken. Auch meine Vita ist bunt und wechselhaft und schade, dass die meisten Personaler mich damit direkt auf den Absage-Stapel legen. Dabei sind selbst Aktienkurse immer vom Wechsel geprägt und genau das hält die Welt flexibel.

    Ich habe meinen roten Faden inzwischen gefunden und finde zum Glück auch Chefs, denen das gefällt. Bunt ist das Leben farbiger!

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ja, Wechsel halten neugierig, flexibel und anpassungsfähig. Ich glaube, der Zauber liegt darin, das auch selber so zu verstehen und es positiv zu präsentieren. Denn wenn man selber am liebsten etwas vertuschen will gibt es für Personaler auch keinen Anlass zu glauben, dass man etwas Positives aus vergangenen Erfahrungen mitgenommen hat.
      Herzliche Grüße
      Cathrin

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