Wann Lücken im Lebenslauf wirklich eine Katastrophe sind

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf…?“ „Ja, war geil!“ Wenn du auf Jobsuche bist und nicht weißt, wie du eine Lücke erklären kannst, findest du das vermutlich gar nicht witzig. Wie schlimm ist deine Lücke wirklich?

Sandra hatte jahrelang in einer Führungsposition Vollgas gegeben, sich um Produkteinführungen und ihre Mitarbeiter gekümmert und stets zur „vollsten Zufriedenheit“ gearbeitet. Bis sie eines Tages nicht mehr konnte und einfach nach Hause ging. Burnout. Mit einem Mal war die Energie weg und die Kraft reichte nicht mehr für auch nur einen einzigen weiteren Tag im Büro.

Pause.

Sandra brauchte professionelle Hilfe und mehr als ein Jahr, um sich wieder zu berappeln. In dieser Zeit war es ihr nicht möglich sich weiterzubilden oder sich einen weniger stressigen Job zu suchen. Es ging einfach nicht.

Ist das nun eine Lücke im Lebenslauf? Was denkst du?

Vielleicht überrascht es dich zu hören, dass die Bewertung dieser Zeit in erster Linie von Sandras Perspektive abhängt. Was wird sie darüber denken und daraus machen?

Aber eins nach dem anderen…

Wie Lücken im Lebenslauf entstehen

Sandras Lebenslauf ist nur einer von vielen, der nicht nach Schema F verläuft. Auch wenn du das Gefühl hast, bei den anderen ist alles „viel besser“ – lass‘ dir gesagt sein: Irgendwas ist immer!

Familienzeiten zum Beispiel, in denen Arbeitsverträge auslaufen und nicht verlängert werden. Manchmal will der Wiedereinstieg nicht auf Anhieb klappen oder es gibt keine passenden Betreuungsmöglichkeiten. Alle Eltern wissen, wie schnell die Zeit vergeht wenn man sich um Kinder kümmert und dass das berufliche Weiterkommen im Familienalltag erstmal in den Hintergrund treten kann. Schwupps, sind ein, zwei, drei, fünf Jahre rum. Verlorene Zeit? Dazu kommen wir gleich.

Oder nach einer langen Zeit im Konzern liegt zum Beispiel plötzlich eine Abfindung auf dem Tisch, weil die Abteilung geschlossen werden soll. Du hast sowieso schon mit dem Gedanken gespielt, zu gehen und nimmst das Angebot gerne an. Die Abfindung bringt eine gewisse Sicherheit mit sich, der Druck ist erstmal nicht allzu groß und wenn es dann wieder losgehen soll – dann klappt es vielleicht nicht sofort.

Von ungewollter Arbeitslosigkeit brauchen wir gar nicht zu sprechen. Aber:

Wann sind Lücken im Lebenslauf wirklich eine Katastrophe?

Vermeintliche Lücken im Lebenslauf entstehen immer dann, wenn etwas nicht nach ursprünglichem Plan verläuft. Wenn der Arbeitskraftmotor ausgeht und nicht sofort wieder anspringt. Wenn sich die Prioritäten verschieben. Wenn das Leben dazwischenkommt.

Nun ist das Leben an sich aber keine Katastrophe, sondern ein Geschenk – auch und gerade dann, wenn es nicht ausschließlich gleichförmig abläuft, sondern eine gewisse Bewegung mit sich bringt.

Du kannst dich selber nicht erfahren und erleben, wenn immer alles beim Alten bleibt. Du kannst nicht wachsen, dich nicht weiterentwickeln, nichts dazulernen und keine neuen Erfahrungen machen.

Das Leben ist Veränderung und ein „Bruch“ im Lebenslauf ist nichts anderes als die Chance, etwas Neues mit neuem Blickwinkel anzugehen. Die einzige Frage ist, ob du es schaffst, das auch so zu sehen. Nur wenn du selber die Zeit als verschenkt empfindest, ist sie auch verschenkt!

Eine „Lücke“ im Lebenslauf ist nur dann eine Katastrophe, wenn du nicht die Banane isst sondern stattdessen die Bananenschale hinwirfst – und dann darauf ausrutscht.

Wohin geht dein Fokus? Auf die Banane oder auf die Schale?

Leichter gesagt als getan!

Stimmt. Aber ich wette darauf, dass die Zeit, die du heute „Lücke“ nennst, für dich

  • lehrreich
  • lebensverändernd
  • bereichernd
  • nötig
  • richtungsweisend
  • sinnbringend oder
  • unvermeidbar

war. Und dass du aus der Geschichte, die dahintersteckt, viel mitgenommen hast. Was ist es ganz genau? Und wie kannst du das in Zukunft für dich nutzen oder in eine neue Aufgabe einbringen?

Hast du Kenntnisse, Fähigkeiten, Soft Skills erworben? Mehr Geduld, Demut, Kontakte gewonnen? Bist du zuverlässiger, fleißiger, widerstandsfähiger geworden?

Hast du etwas verloren – oder hast du etwas gewonnen?

Frage dich, wie du das in deinem Außenauftritt, in deiner Bewerbung beschreiben kannst. Häufig gibt es eine Absage nicht wegen der Lücke selber, sondern weil nicht offen und ehrlich damit umgegangen wird. Wenn DU aus dieser Zeit nichts herausziehst – wie soll es dann jemand anders tun?

Wie soll jemand, der nicht du ist, verstehen, was in dieser Zeit los war – und warum sie für dich als Mensch und als Arbeitskraft wertvoll war? Und ich bin sicher: das war sie! Es ist eine Frage der Perspektive!

Fazit

Vielleicht kam der Burnout, weil du nicht von alleine die Reißleine gezogen hast, als es zu viel wurde. Du hast einen Burnout, aber du lebst. Und du weißt jetzt, dass du besser auf dich aufpassen musst.

Möchtest du die Zeit mit den Kindern missen? Oder hast du unfassbar viel über dich gelernt in der Familienzeit und weißt heute ganz genau, wo deine Stärken und Schwächen liegen?

War die Auszeit schön? Was hast du gesehen und erfahren und wer kann davon – neben dir selber – profitieren?

Über 50 und auf dem Arbeitsmarkt? Wurde die Festplatte in deinem Kopf am 50. Geburtstag gelöscht oder hast du den Speicher erhöht, weil du so viel auf dem Kasten hast?

Ich lade dich ein, deinen Lebenslauf in seiner ganzen Bandbreite wertzuschätzen, das Beste daraus zu machen und zu schauen, was passiert. Vielleicht wirst du positiv überrascht sein.

Und Sandra? Macht jetzt ihr Hobby zum Beruf und fragt sich, warum sie nicht schon viel früher darauf gekommen ist ;-)

Ich würde mich sehr über deinen Kommentar freuen, lass‘ mich wissen, was du zu dem Thema denkst!

Cathrin Eggers
Seit 2015 hilft Cathrin Eggers als Bewerbungs- und Karriereberaterin Menschen dabei, den Job zu finden und zu bekommen, der zu ihnen passt. Unterstützung von der Stange gibt es bei ihr nicht, denn jede Geschichte ist anders und hat eine eigene Herangehensweise verdient. Sie interessiert sich unter anderem für Psychologie, NLP, New Work, Digitalisierung, Persönlichkeitsentwicklung und Zeitmanagement und sie trinkt ihren Kaffee am liebsten von Hand aufgegossen.

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