Warum es dir nicht hilft, wenn sie das Anschreiben abschaffen

Die Deutsche Bahn will das Anschreiben abschaffen und alle feiern! Insgeheim freust du dich doch auch, denn am Ende des Tages sparen wir uns alle gerne etwas Aufwand.

Eine der größten Hürden im Bewerbungsprozess ist das Ausformulieren eines Anschreibens. Fragen, die immer wieder bei mir landen, sind beispielsweise:

  • Was soll in den ersten Satz hinein?
  • Soll der Inhalt des Lebenslaufs wiederholt werden?
  • Kann ich Stichpunkte verwenden?
  • Wie bringe ich meine Motivation am besten rüber?

Aber eigentlich sind das die falschen Fragen.

Warum es dir schwer fällt, das Anschreiben zu verfassen

Die Verunsicherung ist groß und wird gerne mit einem Mehr an Worten und Gesten beantwortet:  “Eine Mitarbeit in Ihrem Unternehmen wäre für mich der logische nächste Schritt in meiner Karriere.”

Kein Wunder! Du wirst täglich mit Werbung und Verkaufsbotschaften bombardiert und dir wird gleichzeitig erklärt, dass du dich selber auch besser verkaufen musst.

Die logische Konsequenz ist, dass du die gelernten Verkaufsbotschaften auf dich selber anwendest, um so für deinen persönlichen Absatz zu sorgen. So hast du es schließlich aus der Werbung gelernt.

Der Verkaufsdruck, der für dich daraus entsteht, ist das, was dich nun erleichtert aufatmen lässt, wenn du die Nachricht der Deutschen Bahn liest: Endlich frei von der Last, ein Anschreiben formulieren und mich verkaufen zu müssen!

Aber macht es dich wirklich frei oder lässt es dich am Ende nur ohne Job dastehen?

Mal sehen…

Wie du anfängst, zu helfen statt dich zu verkaufen

Wir sind abgestumpft, was Werbung angeht und wollen kein plumpes Marketing mehr. Wir suchen den Moment, in dem es “klick” macht, um eine Kaufentscheidung zu treffen, und der entsteht kaum mehr durch einen großen Werbehype.

Dem Empfänger einer Bewerbung geht es da genauso wie dir. Er ist abgestumpft gegen immer gleiche Werbebotschaften, denn er sucht im Prinzip nur eine einzige Sache. Die Sache, die DU auch suchst, wenn du dein sauer verdientes Geld investieren willst:

Einen echten Mehrwert! 

Du solltest dein Anschreiben deswegen nicht als aufgesetzten Werbeflyer betrachten, der dir nur unnötig Arbeit macht und sich nicht gut anfühlt, sondern als eine Chance, den Empfänger wirklich weiterzubringen.

Denn am Ende des Tages geht es ihm wie dir, wenn du auf Einkaufstour für neue Schuhe gehst: Du bist bereit, Geld in die Hand zu nehmen, damit du nicht ohne Schuhe durch die Gegend laufen musst, aber die tollsten Werbeplakate nützen dir nichts, wenn du am Ende Blasen an den Hacken hast und wieder barfuß dastehst.

Bevor du nun auf den ersten Satz deines Anschreibens eindrischst, solltest du zunächst dein Mindset überprüfen und dich fragen, wie du grundsätzlich über dein Selbstmarketing denkst.

Im klassischen Marketing unterscheidet man zwischen Inbound und Outbound Marketing. Beim Inbound Marketing zieht man die Kunden an und gewinnt über echtes Interesse ihre Aufmerksamkeit.

Wenn du dir diese Art von Marketing zu nutze machen möchtest, musst du in deinem Anschreiben also nützliche Informationen rüberbringen, die erklären, warum gerade du der Schuh mit dem passendsten Fußbett bist. Um das zu schaffen sollte deine erste Frage also lauten:

Welche Informationen sind für den Empfänger deines Anschreibens wirklich wichtig?

Dafür musst du dich damit auseinandersetzen, worum es bei der ausgeschriebenen Stelle wirklich geht und warum ausgerechnet du die personelle Lücke wirklich schließen kannst!

Warum das einen echten Unterschied macht

Es ist so viel einfacher, zu helfen, statt sich selber zu verkaufen. Und es kommt so viel besser an!

Mit dieser Denkweise kommst du heraus aus einer Konkurrenzdenke gegenüber anderen Bewerbern und hinein in ein Gefühl von Nutzen und Mehrwert, den du mitbringst.

Auf diese Weise kannst du erklären, dass deine Reise nach Südamerika keine gestopfte Lücke im Lebenslauf war, sondern dein tiefes Verständnis für andere Kulturen geprägt hat, was für den internationalen Vertrieb ein echter Nutzen ist.

So kannst du zeigen, dass du in der Elternzeit nicht nur an der Sandkiste gesessen hast, sondern als Elternbeirat Projektleitung gelernt hast.

Das gibt dir die Chance, deine Affinität zu technischen Abläufen zu erklären, die du bisher nur in deiner Freizeit ausgelebt hast und die du selber nun soweit ausgebildet hast, dass du sie beruflich mit einbringen möchtest.

Fazit

Ein Anschreiben ist deine Chance, zunächst für dich selber zu überlegen, warum du für den Job geeignet bist und was du mitbringst an den Tisch.  Wenn dir nicht einfällt, was das sein könnte, dann hast du in Wirklichkeit ein ganz anderes Problem, als das Ausarbeiten des Anschreibens!

Wenn du dich auf einen Job bewerben möchtest, und keine Ahnung hast, warum du besonders geeignet bist für diese Stelle, dann wird die Abschaffung des Anschreibens nicht dazu beitragen, dass du schneller einen passenden Job  findest.

Deine Aversion gegen das Anschreiben ist dann vielleicht nur ein Symptom für die Tatsache, dass du nicht weißt, was du kannst und wo dein Können am besten zum Einsatz kommen kann.

Auch, wenn die Deutsche Bahn es dir vermeintlich leichter machen will, indem sie das Anschreiben abschafft: am Ende des Tages wird sie immer die Bewerber einladen, die am besten überzeugen – und zwar mit Mehrwert für das Unternehmen.

Die Frage ist, wie gut dein Lebenslauf deinen persönlichen Mehrwert transportieren kann, wenn er ganz auf sich allein gestellt ist?

 

P.S. Das Formulieren eines Anschreibens kannst du lernen und üben. Es lohnt sich! In meinen wöchentlichen Karriere-Tipps zeige ich dir, wie es geht. Hier kannst du sie abonnieren =>

 

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