Was dir der Arbeitsmarkt heute abverlangt – und was er dir bietet

Die Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt in einer 50 Stunden-Woche tickte und am besten mit ausgefahrenen Ellenbogen funktionierte sind glücklicherweise vorbei. Aber worauf kommt es heute an und was haben Arbeitnehmer eigentlich davon?

Neulich habe ich mit einer Klientin gesprochen, die 37 Jahre alt ist und sich beruflich verändern will. Sie hatte Bedenken, einen neuen Job zu finden, es nicht zu schaffen, weil sie ja “nicht mehr die Jüngste” sei. Eine andere Klientin fand nach der Elternzeit keine neue Stelle und überlegte, ein weiteres Studium aufzunehmen. Sie hatte bereits zwei Abschlüsse in der Tasche.

Oft besteht eine große Verunsicherung, wenn es um die Frage geht: Was muss ich tun, damit ich (noch) meinen Platz am Arbeitsmarkt finde?

Besonders schade daran finde ich, dass sich diese Fragen in der Mehrzahl der Fälle wirklich gute Leute mit viel Potenzial stellen, die unser Arbeitsmarkt dringend brauchen kann und die nur deswegen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, weil sie sich selber im Weg stehen und noch nicht verstanden haben, worauf es heute wirklich ankommt.

Häufig liegt dem ein Mangelgefühl zugrunde. Das Gefühl, nicht ausreichend praktische Erfahrung zu haben, nicht qualifiziert genug oder zu alt zu sein – oder sich einem übermäßig kritischen und selektiven Arbeitsmarkt gegenüberzusehen. Das Gefühl, nicht dazuzugehören und nicht “mitmachen” zu dürfen ohne eine explizite Einladung.

Der ideale Nährboden für eine passive Opferhaltung, aus der schwer herauszukommen ist – und die für das Gegenteil von dem steht, was der Arbeitsmarkt heute braucht:

Agilität

Während in klassischen Organisationen, wie wir sie “von früher” kennen, mehr Regeln und weniger Entscheidungsfreiheit für den einzelnen Mitarbeiter vorherrschen, wird in agilen Organisationen Wissen weitergegeben, Fehler werden offen angesprochen und Statussymbole wie das “Chefbüro” fallen aus – der Kunde steht weitestgehend im Fokus. Also zumindest erstmal in der Theorie ;-)

Es wird in interdisziplinären Teams gearbeitet und nicht mehr “von oben nach unten”. Jeder denkt mit und bringt die eigenen Stärken dort ein, wo sie gebraucht werden.

Viele Arbeitnehmer feiern diese Entwicklung und begrüßen die Veränderung in Richtung “New Work” mit allen Freiheiten und Möglichkeiten, die sie mit sich bringt. Wer allerdings aus der “alten Arbeitswelt” kommt und bisher wenig Berührungspunkte zum “neuen Arbeiten” hatte, hat unter Umständen noch nicht verstanden, wie er in der neuen Arbeitswelt seinen Platz findet.

Und genau da liegt die Herausforderung:

Wer dabei sein will muss mitziehen…

…und zwar ohne Extra-Einladung! Agilität steht für kurze Wege, Innovation, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Es geht um Mut, Ausprobieren, miteinander im Gespräch sein und Lösungen finden. In Zeiten der Digitalisierung geht es nicht anders, denn was gestern noch State of the Art war ist morgen vielleicht schon wieder überholt – und keiner will es haben.

Das kann man finden wie man will, die meisten von uns machen es jedenfalls über das eigene Konsumverhalten mit – und die wenigsten laufen noch mit einem Smartphone der ersten Generation herum. Nehmen wir die Entwicklung – die Digitalisierung also als gegeben hin und umarmen sie mit all ihren Möglichkeiten, die sie unserer Welt in Zukunft bieten kann.

Doch ein Unternehmen kann nur agil arbeiten – und damit wettbewerbsfähig bleiben – wenn auch die Mitarbeiter verstehen, was das bedeutet und bereit sind, mitzuziehen. Es geht im Mitarbeiterauswahlprozess  also gar nicht so sehr, wie oft angenommen, um die Bewertung des einzelnen Menschen sondern in erster Linie um einen reinen Selbsterhaltungstrieb der Organisation.

Für Arbeitnehmer und insbesondere für Bewerber, die auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind, ist es deswegen so wichtig zu verstehen, dass sie heute mehr denn je Teil eines großen Ganzen sind, der einerseits mehr Verantwortung, Freiheiten und Mitspracherecht erhält – der aber andererseits auch dazu beitragen muss, dass die Organisation – und damit letztendlich der eigene Arbeitsplatz – erhalten bleibt.

Wie man selber “agil” ist

Selber agil zu sein bedeutet, per definitionem, körperlich und geistig gewandt zu sein. Es heißt, mit wechselnden Umständen umgehen zu können, neue Anforderungen zu verstehen und sie auf sich selber übertragen zu können. Es heißt auch, bereit zu sein, dazuzulernen, sich Wissen in Eigeninitiative anzueignen und sich in Bezug auf sein eigenes Arbeitsumfeld realistisch einschätzen zu können.

Obwohl das nicht jedem Menschen in die Wiege gelegt wurde, schon gar nicht denen, die bisher in traditionellen Strukturen gearbeitet haben, ist es durchaus möglich, das zu lernen. Es zu verstehen ist essentiell, denn wer glaubt, aus irgendwelchen Gründen von diesen Entwicklungen ausgeschlossen zu sein und darauf wartet, von außen einen geeigneten Platz zugewiesen zu bekommen, wird unter Umständen ein Thema mit dem eigenen Selbstwertgefühl bekommen.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Person ist, aus meiner Sicht, dafür unerlässlich. Es ist notwendig, die eigenen Ansichten und Prämissen immer wieder zu überprüfen und gegen die Arbeitswelt abzugleichen. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht mehr so sehr zählt, was einmal war, sondern viel mehr das, was gerade ist und das die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet:

Was wird eigentlich gerade gebraucht?

Genau wie eine agile Organisation sich immer wieder fragen muss: “Braucht der Kunde das eigentlich?” müssen wir uns in Bezug auf unsere eigene Arbeitskraft immer wieder fragen: “Wer braucht sie und warum? Wo kann ich mich optimal einbringen?”

Die Frage nach dem eigenen Platz in der Arbeitswelt von heute, nach Visionen, Zielen und beruflichen Wünschen ist nicht nur eine Frage der eigenen Selbstverwirklichung. Es ist auch die Frage: Unter welchen Bedingungen kann ich mein Bestes geben, um selber wettbewerbsfähig zu bleiben?

Fazit

Die Zeiten der Anspruchshaltung durch Gewohnheitsrecht am Arbeitsplatz sind weitestgehend vorbei. Gemessen wird mehr denn je in Ergebnissen und nicht in Arbeitsstunden. Entsteht dadurch ein gewisser Leistungsdruck? Ja! Aber Leistung hat immer gezählt – nur anders – und nicht für jeden.

Der Vorteil, selber agil zu sein, liegt darin, unabhängiger zu sein von einzelnen Arbeitgebern. Die Angst vor einer Kündigung nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit mit der immer gleichen Tätigkeit weicht der Gewissheit, breiter aufgestellt zu sein durch vielfältige Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven – und dadurch mehr einbringen zu können.

Der Arbeitsmarkt bietet heute vor allem jenen eine Chance, die bereit sind, die Verantwortung für ihre Tätigkeit zu übernehmen und die sich als Teil eines Systems verstehen.

Selten war der Arbeitsmarkt so dynamisch wie heute – und selten gab es so viele Möglichkeiten etwas daraus zu machen. Auf der Strecke bleiben nur diejenigen, die aufhören dazuzulernen, weil sie glauben, von den Entwicklungen ausgeschlossen – oder ausgelernt zu sein.

*Foto: Bethany Legg on Unsplash

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