authentisch bewerben

Das solltest du dich fragen, wenn du dich authentisch bewerben willst

Neulich habe ich wieder einen sensationellen Podcast gehört. Darin ging es um die Frage: Was macht einen guten Redner aus? Mich interessiert das Thema aus verschiedenen Gründen, aber ich konnte nicht aufhören an die Analogie zum Thema Bewerbung zu denken:

Was macht also einen guten Redner aus?

Um ein guter Redner zu sein sei es wichtig, sehr gut vorbereitet zu sein. Soviel war mir auch vor dem Podcast klar, aber ich habe gelernt, dass “sehr gut vorbereitet” in der Sprache der Profis deutlich mehr ist als das, was die meisten von uns darunter verstehen. Wenn du einen Vortrag hälst muss die Materie, das Thema so sicher sitzen, dass dir dein Vortrag weit über das Auswendiglernen hinaus in Fleisch und Blut übergeht. Ansonsten besteht die Gefahr, dass du viel zu konzentriert darauf bist, alles “richtig” zu machen und deinen Vortrag zu angestrengt einfach ausspulst. Du verlierst dann das Gefühl für dein Publikum. Es geht plötzlich nur noch um dich und wie du deinen Vortrag möglichst sicher durch das Ziel bringen kannst. Ganz wie geplant und ohne Risiko. Play it safe!

Charme wird dein Vortrag auf diese Weise vermutlich nicht haben. Auch Leidenschaft wird es schwer haben, wenn die handwerkliche Leistung im Mittelpunkt steht. Du wirst keinen Unterschied machen bei deinen Zuhörern. Sie werden den Saal verlassen und weitermachen wie bisher. Nichts wird sich durch deinen Vortrag, deine Rede für sie verändert haben.

Aber genau das ist es, was den wirklich guten vom weniger guten Redner unterscheidet. Als wirklich guter Redner hälst du dein Versprechen. Das Versprechen, das du mit dem Titel deines Vortrages gegeben hast. Das kannst du nicht einfach auswendig lernen. Du musst spüren, was dein Publikum will und wie du ihm auf den Punkt vermittelst, was es aus deiner Veranstaltung mitnehmen soll.

Natürlich greifst du dabei auf Bausteine zurück, aber du bist auch so gut vorbereitet, dass du für jede Frage die passgenaue Antwort geben kannst, ohne verkrampft auf dein Skript zurückdrängen zu müssen, weil du nur das in petto hast. Dein Ziel als wirklich guter Redner ist nicht, dass du am Ende des Vortrags selber mit deiner Performance zufrieden bist. Das Ziel ist, dass deine Zuhörer den Raum verlassen und sich auch am nächsten Tag noch an deine Kernaussage erinnern.

Was hat das mit deiner Bewerbung zu tun?

Gegenfrage: Worauf konzentrierst du dich, wenn du eine Bewerbung schreibst? Ich wette, dass du dich zu 90% auf das Handwerk und die vermeintlichen Vorschriften konzentrierst: Kann ich das so schreiben? Darf ich das so formatieren? Ist das zu viel, zu wenig? Macht man das heute noch so?

Meine Befürchtung ist, dass du dabei das Ziel aus den Augen verlierst und nur das reproduzierst, was du schon einmal irgendwo gehört oder gelesen hast. Du konzentrierst dich darauf, Gelerntes wiederzugeben, verfängst dich in Phrasendrescherei und verlierst dabei das Ziel aus den Augen: dein Gegenüber mit deinen eigenen Inhalten zu überzeugen! Dabei steht sogar das Handwerk auf wackligen Beinen, weil es einfach zu viele Bewerbungsratgeber mit unterschiedlichen Aussagen gibt. Und dann sind da noch die verschiedenen Geschmäcker auf Personalerseite.

Dabei hast du als Bewerber das gleiche Ziel wie ein guter Redner: du willst dich mit deiner Kernaussage in das Gedächtnis deines Empfängers einbrennen und einen Unterschied machen. Wenn dein einziges Ziel ist “heute wieder drei Bewerbungen verschickt” zu haben, wird das sehr, sehr schwierig.

Authentisch ist nicht gleich authentisch

Zugegeben! Wäre man im Bewerbungsprozess immer 100% authentisch, wäre das vielleicht auch nicht das gelbe vom Ei. Natürlich verstellen wir uns immer bis zu einem gewissen Grad, um dem zu genügen, was gefordert wird. Das betrifft übrigens alle Bereiche des Zusammenlebens und der sozialen Interaktionen. Wenn jeder immer nur das täte, wonach ihm gerade ist, hätten wir ganz andere Probleme als über deine Bewerbung zu sprechen.

Was ICH damit meine ist so zu kommunizieren, dass dein Gegenüber versteht, warum du dich bei ihm bewirbst und was er davon hat, dich einzustellen. Was nimmt er aus deiner Bewerbung mit? Was hat er ganz konkret davon, dich einzustellen? Was ist deine Besonderheit? Deine Geschichte?

Ein Freund bat mich letzte Woche um Rat bei der Auswahl geeigneter Kandidaten für einen Job in seinem Unternehmen und ich durfte einen Blick in die Unterlagen werfen. Kein einziger hatte es geschafft glaubhaft (authentisch!) zu erklären, warum er oder sie den Job eigentlich wirklich machen will. Die Persönlichkeit, der Mensch war in keiner der Bewerbungen greifbar.

Zeit für die große Orakelei: “Will sich wahrscheinlich verbessern” “Wurde wahrscheinlich gekündigt” “Will vermutlich aus dem Ausland zurück” und so weiter. Immer schien es ein bisschen so, als wäre der Job auf den sie sich bewarben, ein Notnagel – oder als würden sie selber nicht glauben, dass sie den Job bekommen können, aber es einfach mal halbherzig versuchen. Oder als würden sie sich aus einer Laune heraus bewerben, weil der aktuelle Job gerade nicht so toll ist und jemand anderem die Entscheidung überlassen, “ob es passt oder nicht”.

Übertragen auf das Bild des Redners ist das jemand, der auf Fragen mit seinem auswendig gelernten Skript antwortet und damit noch mehr Fragen aufwirft anstatt sie zu beantworten. Jemand, der alle seine Inhalte ungefiltert nach dem Gießkannen-Prinzip über das Publikum schüttet und dabei nicht mehr hinterlässt als einen Tropfen auf einem heißen Stein: Alles ein bisschen und nichts so ganz.

Fazit

Was erwartest du von einem guten Vortrag? Was müsste passiert sein, damit du hinausgehst mit einem “Wow! Da stimmte alles!” Gefühl. Wie müsste sich der Redner geben, damit du ihm seinen Vortrag abkaufst? Was bedeutet das für deine Bewerbung?

Der Grund dafür, dass ich in meinem Blog und in meinem Newsletter häufig von Mindestanforderungen für die Form (das Handwerk) deiner Bewerbung spreche ist, dass sie dir in Fleisch und Blut übergehen sollen. Du sollst nicht mehr darüber nachdenken müssen, dass Seitenzahlen auf deinen Lebenslauf gehören und jedes Blatt deine Kontaktdaten enthalten muss. Das soll selbstverständlich für dich sein, damit du dich voll und ganz auf deine Inhalte konzentrieren kannst.

Simon Sinek hat einen großartigen Vortrag gehalten mit dem Titel: “If you don’t understand people, you don’t understand business.” Wenn du ganz genau zuhörst bin ich sicher, dass du daraus viel für deine nächste Bewerbung mitnehmen kannst.

Hier kannst du dir den Vortrag auf Youtube ansehen. 

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