Warum du als Frau anders an deine Bewerbung rangehst, warum dich das limitiert und was du dagegen tun kannst

Es gibt einen Grund, warum ich meinen Blog und meine Arbeit auf Frauen ausgerichtet habe. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Männern keine berufliche Zufriedenheit wünsche.

Es ist auch nicht so, dass alle Frauen die gleichen Fragen zu ihrer Bewerbung hätten. Es gibt viele Frauen, die sehr zielstrebig ihren Weg gehen und überhaupt keine Unterstützung brauchen. Eine Verallgemeinerung liegt mir fern!

Aber wenn du hier gelandet bist, dann stehst du womöglich vor ein paar Fragen, die recht typisch sind für Frauen, die einen neuen Job suchen, unzufrieden sind mit ihrer aktuellen beruflichen Situation oder an ihrer Bewerbung arbeiten. Und dann hast du womöglich das Gefühl, die Anforderungen, die an eine Bewerbung und an dich als Bewerberin gestellt werden, nicht erfüllen zu können.

Meine Annahme stützt sich auf viele Bewerbungen, die ich während meiner Zeit in großen Unternehmen und meiner Arbeit als Bewerbungscoach gesehen habe, auf Anfragen von Freundinnen und weiblichen Bekannten, die mich immer wieder um Unterstützung bitten bei der Aufbereitung ihrer Unterlagen und auf meine eigene Erfahrung als Bewerberin.

Die Fragen, die Frauen haben, wenn es um ihr eigenes berufliches Fortkommen, einen Jobwechsel oder eine konkrete Bewerbung nachdenken, unterscheiden sich von den Fragen, die Männer in diese Situation mitbringen.

Was sind das also für Fragen und Herausforderungen in Bezug auf deine Bewerbung, vor denen du als Frau stehst? Und wie kannst du diese überwinden?

“Bin ich gut genug für den Job?”

Es fängt mit den Stellenanzeigen an! Frauen lesen sie anders als Männer. Das hat eine Eye-Tracking Studie von jobware herausgefunden. Das führt dazu, dass Frauen Entwicklungspotenziale auf dem offenen Jobmarkt häufig schlechter erkennen als Männer und manchmal keinen neuen, passenden Job finden, weil sie sich nicht angesprochen fühlen. Was besagt die Studie ganz genau? Hier ein paar Punkte:

  • Bestimmte Bezeichnungen wie zum Beispiel „Senior-Manager” oder Anforderungen wie zum Beispiel „Kommunikationsfähigkeit” tragen dazu bei, dass Stellenanzeigen eher als männlich beziehungsweise weiblich empfunden werden.
  • Männer fühlen sich immer von Stellenanzeigen angesprochen, egal wie diese formuliert sind: „männlich”, „weiblich” oder „neutral”. Frauen hingegen schauen scheinbar wesentlich genauer hin und bewerben sich eher auf „weibliche” oder „neutrale” Stellenausschreibungen.
  • Werden typisch männliche Eigenschaften gefordert, ziehen sich viele Frauen zurück.
  • Frauen neigen dazu, jede Anforderung als unerlässlich einzustufen und trauen sie sich bei gleicher Qualifikation weniger zu, als Männer. Männer tendieren hingegen dazu, fehlende aber geforderte Fähigkeiten zu “überlesen.”

Quelle: personalmarketing2tnull

Das kannst du tun!
Schau’ zwei Mal hin und bewirb’ dich gegebenenfalls TROTZDEM, auch wenn die Stellenbeschreibung “eine Nummer zu groß” erscheint. Es handelt sich unter Umständen um Wachstumspotenzial, das du dir doch eigentlich wünschst und nicht um einen Mangel deiner Kenntnisse und Fähigkeiten. Wenn du es nicht tust, entgeht dir vielleicht etwas, denn ein Mann, der die gleichen Qualifikationen hat wie du, zögert wahrscheinlich nicht, es zu versuchen.

“Ist mein Lebenslauf stringent genug?”

Erfahrungsgemäß sind Frauen eher der Meinung, ihr beruflicher Weg sei nicht so verlaufen, wie er hätte verlaufen sollen. Sie stellen vorangegangene Entscheidungen in Frage, hadern mit vergangenen Stationen und entwickeln so einen defizitären Blick auf die eigene berufliche Laufbahn, was das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten schwächt:

  • “Eigentlich will ich etwas ganz anderes machen und jetzt habe ich diesen Lebenslauf”
  • “Ich habe mein Studium ohne Abschluss beendet”
  • “Ein Jahr lang bin ich nur durch die Welt gereist”

Das kannst du tun!
Erfahrungen wie diese gehören zu deiner eigenen Geschichte dazu und haben zu dem beigetragen, was du heute bist und wo du stehst. Es ist weniger die Frage, was passiert ist als vielmehr die Frage, was du daraus machst, wie du es bewertest und welche Konsequenzen du daraus ziehst. Was hast du gelernt, mitgenommen, erfahren? Das ist DEINE Geschichte, erzähle sie so, dass sie einen Sinn bekommt und konzentriere dich auf die positiven Erfahrungen und Effekte.

“Was ist mit meinem Familienstand und Kindern?”

Die Sache mit dem Familienstand ist für mich fast schon ein Running Gag, denn die allermeisten Frauen beschäftigen sich mit der Frage nach Familienstand und Kindern in der Bewerbung – aber auf unterschiedlichste Weise. Das klingt dann in etwa so:

  • “Ich bin Ende dreißig, verheiratet und habe keine Kinder. Werde ich deswegen nicht eingeladen?”
  • “Soll ich meine vier Kinder erwähnen?”
  • “Ich bin alleinerziehend, sag’ ich das auch?”
  • “Ich bin Anfang vierzig, liiert, habe keine Kinder, möchte aber auch keine, wie stelle ich das dar?”
  • “Meine Kinder sind schon älter und selbstständig, muss ich sie dann überhaupt erwähnen?”
  • “Ich habe eine Lücke im Lebenslauf wegen meiner Elternzeit/Erziehungszeit, nimmt man mich da überhaupt?”

Häufig höre ich, wie Frauen sich in den sozialen Medien darüber beschweren, dass Mütter am Arbeitsmarkt benachteiligt werden und natürlich stimmt das in einigen Fällen auch. ABER bei einem Blick auf die einzelnen Bewerbungen stelle ich auch fest, dass es nicht unbedingt immer an den Kindern (oder nicht-Kindern) liegt, wenn es nicht klappt. Oft sind es Aussagekraft der Bewerbung, Passgenauigkeit für den Job oder, wenn schon ein persönliches Gespräch stattfand, Missverständnisse mit dem potenziellen Arbeitgeber.

Das kannst du tun!
Empfinde deine Kinder (oder die, die du nicht/noch nicht hast) selber nicht als Hindernis sondern baue Eltern- und Erziehungszeiten dort ein, wo ansonsten Lücken im chronologischen Verlauf entstehen. Konzentriere dich auf das, was du alles mitbringst und nicht auf potenzielle Stolpersteine. Lasse Familienstand und Kinder weg, wenn du das Gefühl hast, das tut nichts zur Sache und schmälert deine Chancen. Fakt ist: Egal wie dein Familienstand ist, er gehört zu deinem Leben, ist ein Teil von dir und er hat dich geprägt. Nichts, wofür du dich per se verstecken musst.

“Ich bin Führungskraft, aber ich weiß nicht, was genau von mir erwartet wird”

Es erschreckt mich einigermaßen zu beobachten, wieviele Frauen (und wahrscheinlich auch Männer, die nur anders damit umgehen) in Führungspositionen befördert werden, ohne auf diese Aufgabe vorbereitet oder darin begleitet und bestärkt zu werden. Spätestens bei einem Jobwechsel kommen dann Fragen auf wie:

  • “Welcher Führungsstil wird verlangt?”
  • “Welche Schlagworte muss ich kennen?”
  • “Welche Teamgröße kann ich bewältigen?”
  • “Wie stelle ich mich als kompetente Führungskraft dar?”

In Bezug auf Führungskräftetätigkeiten nehme ich häufig eine große Verwirrung wahr, weswegen das Konzept von “Führungskräfteentwicklung” für mich einen umso größeren Stellenwert bekommen hat.

Das kannst du tun!
Unterstützt dich dein Unternehmen nicht in deiner Entwicklung als Führungskraft, ist umso mehr Eigeninitiative gefragt. Weiterbildungen, Selbststudium, Vorbilder und Mentoren können dir dabei helfen, die Aufgabe der Führungskraft für dich selber auszugestalten und deinen eigenen Führungsstil zu finden und weiterzuentwickeln. Verlasse dich nicht darauf, dass dir entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten angetragen werden. Spätestens beim nächsten Jobwechsel feuert das ansonsten gegebenenfalls zurück.

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