Warum du noch nicht Chefin bist – und was du dagegen tun kannst

Hast du dich schon einmal gefragt, warum alle Chef sind, nur du nicht? Und den Gedanken daran gleich wieder verworfen, weil… Ja, warum eigentlich?

Frau Merkel ist genervt: Der Frauenanteil unter den Mitgliedern ihrer Partei liegt bei nur 25%. Im Bundestag sogar bei nur 20%. Zum 70. Jubiläum der Frauen-Union gab sie zu, dass diese Schieflage nicht den Ansprüchen einer Volkspartei genüge.

Im ersten Moment war ich noch irritiert, denn ich hatte in Erinnerung, dass Frau Merkel nicht gerade als Verfechterin der Frauenquote galt, was sich mittlerweile offensichtlich grundlegend geändert hat. Anderes Thema, denn da kam ER. Der erste von zwei Sätzen, bei denen ich lange hängenblieb:

„Wenn die Bevölkerung in der Partei nicht repräsentiert ist, wird es natürlich immer schwieriger, die Wünsche einer Mehrheit der Bevölkerung auszudrücken, zu artikulieren und zu erkämpfen.“*

Natürlich übertrug ich die Message sofort auf die Arbeitswelt und obwohl ich selber nie eine große Verfechterin der Frauenquote war (ist mir zu abstrakt), begriff ich das erste Mal wirklich ganzheitlich, warum es so unglaublich wichtig ist, dass Frauen auch in der Wirtschaft eine gleichberechtigte Rolle spielen:

Werden unsere Interessen und Meinungen auch dann vertreten und umgesetzt, wenn wir gar nicht aktiv mitgestalten? Ich weiß, es klingt nach einem Selbstgänger. Aber haben wir die Konsequenzen wirklich bis ins Letzte durchdacht?

Warum du als Frau noch nicht Chef bist – und was du dagegen tun kannst

In den letzten drei Jahren habe ich mit vielen Bewerberinnen gesprochen, die auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema “Leadership” zu tun hatten. Sie wollten sich zur Führungskraft entwickeln, davon weg entwickeln oder sich in der Rolle als Chefin weiterentwickeln. Sie wollten mit ihren eigenen Vorgesetzten besser klar kommen – oder von ihnen loskommen. Es waren immer ganz andere Gespräche als die, die ich mit Männern führte – und ich sage das ohne Wertung.

Dabei sind mir Muster aufgefallen, die immer wiederkehrten und die in vielen Fällen zu verhindern drohten – oder tatsächlich verhinderten, dass Frauen zu Chefinnen wurden.

Vielleicht trifft einer dieser Gründe auch auf dich zu und wir können gemeinsam Abhilfe schaffen?

1. Du traust dich nicht

Da ist diese Stellenanzeige, dieses Profil, das dich unheimlich reizt. Du möchtest dich so gerne bewerben, aber du traust dich nicht. Du hast noch nie eine “so große” Stelle besetzt, warum sollten Sie gerade DICH nehmen?

Was ist, wenn du dich beim Vorstellungsgespräch oder beim Assessment Center lächerlich machst? Klar, du bringst aus fachlicher Sicht alles mit, du hast Leadership-Kompetenzen und Ambitionen und du bist empathisch, lernbegeistert und lösungs-kreativ UND du hast unheimlich Lust auf die Herausforderung.

Aber reicht das?

Himmel, JA! DAS REICHT! Das einzige, was dir fehlt, ist Selbstvertrauen und Zuversicht. Vielleicht ist der Job am Ende anders, als du ihn dir vorgestellt hast. Vielleicht willst du in drei Jahren Kinder und nur noch in Teilzeit Chefin sein. Na und? Erinnere dich daran, dass du den Job wolltest, um selber zu gestalten – und gestalte ihn nach deinen Vorstellungen!

Fülle den Job mit Leben und repräsentiere damit über 50% der Bevölkerung in der Arbeitswelt.

2. Du bist noch nicht soweit

Du ahnst: Leadership liegt in der Luft. Chefin sein liegt dir im Blut! Aber du bist zu jung oder zu unerfahren oder du siehst einfach nicht vor dir, wie du dich zur Chefin entwickeln kannst. Also begräbst du deinen Wunsch immer wieder auf’s Neue, wenn er aufkommt, und machst einfach etwas anderes.

Nur, weil du heute noch keine Chefin sein kannst, heißt das nicht, dass du es morgen nicht werden kannst!

Du hast mehrere Studiengänge, warst schon einmal selbstständig, hattest bereits ein kleines Team unter dir oder hast mehrere Jahre wertvolle Berufserfahrung? Dann gibt es aus meiner Sicht keinen Grund, warum es nicht klappen sollte.

Aber Leadership heißt auch, Eigeninitiative zu zeigen. Es reicht nicht zu sagen: “Ich möchte einmal Führungskraft sein.” Gib’ dir die Zeit, dich zu einer guten Chefin zu entwickeln, die da draußen einen echten Unterschied machen kann.

Dafür kannst du dir eine Mentorin oder einen Mentor suchen, Leadership-Seminare besuchen, Bücher zum Thema lesen und deine Skills ausbauen. Und zwar schon ab heute!

Nur, lass’ dich bitte nicht davon abhalten, weil die Zeit noch nicht reif ist.

3. Du bekommst die Chance nicht

Manchmal gibt es Vorgesetzte, Männer wie Frauen, die es nicht mögen, wenn andere Ambitionen zeigen. Sie fühlen sich bedroht. Das liegt an ihren eigenen Ängsten, nicht gut genug zu sein und eines Tages überholt zu werden. Vielleicht wirst du deine Chance nicht auf dem Silbertablett serviert bekommen.

Viele Kandidatinnen warten darauf, “entdeckt” zu werden – für das Projekt, als Ansprechpartnerin für den neuen Großkunden oder für die Beförderung. Aber so funktioniert es meistens nicht.

Chefin zu werden ist eine Holschuld, mit der du deine Ambitionen beweisen musst. Vielleicht kannst du dazu beitragen, dass in Zukunft in der Arbeitswelt auch leisere Töne gehört werden und nicht nur die befördert werden, die am lautesten trommeln?

Vielleicht wirst du damit viel verändern.

4. Du willst es gar nicht

Du willst gar keine Führungskraft sein und das Gerede von Frauenquote und Emanzipation verursacht nicht mehr als ein Stressgefühl in dir? Du möchtest einen Job, der zu dir passt und in dem du auf deine eigene Weise etwas beitragen – und vor allem dein Geld verdienen kannst?

Das ist vollkommen okay! Aber du kannst – und solltest – dich trotzdem einbringen. Unterstütze eine andere Frau, die Chefin werden möchte. Deine Freundin, deine Kollegin, deine Nachbarin, die Mutter aus der Turngruppe.

Ermuntere sie, feuere sie an, stehe ich bei, höre ihr zu, nimm’ ihr mal die Kinder ab – aber bitte, wirf’ ihr keinen Knüppel zwischen die Beine, denn das machen schon so viele andere.  Ganz im Sinne der Sisterhood tragen wir alle dazu bei, dass die (Arbeits-)Welt entsteht, die wir uns wünschen.

Diese Frau, die du unterstützen kannst, hat ihre eigene Aufgabe zu erfüllen. Ihr Einsatz wird dir vielleicht an anderer Stelle zugute kommen, zum Beispiel, wenn Sie sich als Führungskraft auch für deine Belange einsetzt.

Der zweite Satz von Frau Merkel lautete:

„Es ist nicht irgendeine Frage von Frauen, die gerne Karriere machen wollen, sondern es ist eine Existenzfrage der Volkspartei.“ *

“Volkspartei” würde ich einfach durch “Arbeitswelt” ersetzen. Und dass ich mal Frau Merkel zitieren würde, hätte ich auch nicht gedacht ;-)

Quelle: welt.de

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