Informationsgespraech

Das ist ein Informationsgespräch – und so kann es deiner Karriere nützlich sein!

Viele Bewerber und insbesondere Frauen haben den Impuls, schreiend wegzulaufen, wenn ich mit dem Thema “Netzwerken” um die Ecke komme. Das ändert sich glücklicherweise meistens wenn ich erkläre, was ich unter einem Informationsgespräch verstehe.

Petra war auf der Suche nach einer neuen Aufgabe im Marketing, als wir uns kennenlernten. Sie hatte sich die Freiheit genommen, eine längere Reise in ihr Leben einzubauen und ihr altes Unternehmen dafür zu verlassen. Sie wusste was sie konnte und war, ihre langjährige Erfahrung im Blick, der festen Überzeugung, bald nach ihrer Rückkehr eine neue und spannende Aufgabe zu finden.

Leider klappte es nicht auf Anhieb so, wie sie es sich vorgestellt hatte und der Neuanfang gestaltete sich schwieriger als gedacht. Bald lief ihr die Zeit davon. Sie durchforstete einschlägige Jobbörsen erfolglos nach der nächsten passenden Aufgabe und rief mich an, weil sich kaum passende Stellen finden ließen und weil Absagen auf die Bewerbungen folgten, die sie auf den Weg brachte.

Meine Frage nach ihrem Netzwerk löste in Petra Abwehr und nahezu Entsetzen aus: “Ich kenne niemanden, den ich um einen Job bitten kann. Und jetzt ist es ja zu spät, um ein neues Netzwerk aufzubauen.” Eine Reaktion, die ich schon kenne und auf die ich vorbereitet bin ;-)

Warum Netzwerken so unbeliebt ist

Andere Menschen um einen Job zu bitten ist immer unangenehm – und zwar für beide Seiten – egal, ob es sich um Freunde, Verwandte, Bekannte, ehemalige Arbeitskollegen oder Fitnesstudio-Bekanntschaften handelt. Der Fragende fühlt sich als Bittsteller, der Gefragte unter Druck gesetzt. Nicht gerade das, was man unter einer win-win Situation versteht.

Diese Vorgehensweise als Netzwerken zu bezeichnen, ist entsprechend komplett am Ziel vorbei und erklärt auch die Abwehrhaltung, mit der Petra und so viele andere Jobsuchende dem Thema begegnen. Zu recht in diesem Fall.

Die Lösung? Erst einmal nicht nach einem Job fragen, sondern nach Informationen!

Warum ein Informationsgespräch die perfekte Alternative ist

Petra kannte natürlich ein paar Menschen, die in interessanten Unternehmen arbeiteten, die spannende Jobs hatten oder über umfangreiche Erfahrung im Marketing verfügten. Wir arbeiteten aus, wie sie auf diese Kontakte zugehen könnte, um erst einmal nur Informationen zusammenzutragen, die ihr für ihren nächsten Schritt mehr Klarheit verschaffen könnten.

Sie führte Telefonate, verbrachte gemeinsame Mittagspausen und reiste sogar in eine andere Stadt, um den Marketingleiter eines Unternehmens zu treffen, der sich bereit erklärt hatte, sich mit ihr zu treffen. Und zwar ohne, dass sie sich zuvor kannten. Einfach nur für ein Gespräch, weil Petra freundlich darum gebeten hatte. Klappt das immer? Natürlich nicht! Aber fragen kostet nichts und überraschend viele Menschen sind hilfsbereit, wenn man sie um ein kurzes Gespräch bittet.

Durch diese Informationsgespräche passierte etwas Großartiges! Petra gewann nicht nur neue Einblicke, profitierte von den Erfahrungen anderer, knüpfte neue Kontakte und gewann neue Perspektiven. Sie kam raus aus ihrer Wohnung und aus ihrem Kopf. Sie war nicht mehr “außen vor” sondern plötzlich wieder “mitten drin” in der Arbeitswelt.

Es bewegte sich etwas und sie gewann Zuversicht, Selbstvertrauen und das Gefühl, wieder selber am Ruder zu sitzen. Aus den Gesprächen entwickelte sich für Petra außerdem die Gewissheit darüber, was sie als nächstes tun wollte und welcher Weg der richtige für sie war.

Dass sie plötzlich wieder Stellenangebote fand, die zu ihr passten und die sie wirklich interessierten, war am Ende kein Zufall mehr sondern die logische Konsequenz ihrer Bemühungen und ihrer Bereitschaft, neue Wege zu gehen.

“Netzwerken” ist für Petra kein Schreckgespenst mehr sondern die Möglichkeit, Informationen zu sammeln, sich daran weiterzuentwickeln, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu reaktivieren – ganz ohne in der Position einer Bittstellerin zu sein.

Heute ist Petra wieder im Marketing tätig und wann immer sie jemand anspricht und nach ihrem Berufsweg, ihrem Arbeitgeber oder auch nach ihrer großen Reise fragt, bietet sie von sich aus ein Gespräch an, wenn es ihre Zeit erlaubt.

Was für ein schöner Schneeballeffekt!

Foto von Tim Wright auf Unsplash

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Cathrin,
    vielen Dank für Deinen schönen Artikel zum Netzwerken. Du schreibst mir aus der Seele! Ich hoffe, dass sich möglichst viele “Neuorientiererinnen” motiviert fühlen und diese Möglichkeit in Zukunft in ihre Strategie einbauen.

    Herzliche Grüße aus Bonn
    Melanie Schumacher

  2. Hallo Frau Eggers,

    vielen Dank für diesen Artikel. Nun bin ich aktuell in der Petra-Rolle, sehr Netzwerken aber nicht als Schreckgespenst an. Ich Netzwerke gern und nutze dies auch, um mich über potentielle Arbeitgeber und Jobs zu informieren. Leider ist es am Ende aber doch nicht so einfach wie beschrieben.

    Herzliche Grüße

    Lars Herrmann

    1. Hallo Lars Herrmann,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Es geht nicht ganz von allein, nicht ohne eigenen Kraft- und Zeitaufwand, nicht ohne eigene Initiative und den Willen, wirklich wertvolle Informationen herauszufinden und diese für sich nutzbar zu machen. Wenn Sie das mit “nicht so einfach” meinen, stimme ich Ihnen voll und ganz zu.
      Allerdings, ohne diesen Einsatz sind die meisten Vorhaben zum Scheitern verurteilt, stelle ich fest – auch an mir selber ;-)
      Alles Gute für Sie und viel Erfolg bei allem, was Sie weiterhin anpacken!
      Cathrin Eggers

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