Kinder im Lebenslauf

Warum Kinder im Lebenslauf ein Thema sind – selbst wenn du keine hast

Die öffentliche Diskussion rund um das Thema “Kind und Karriere” kreist wie eine Endlosschleife über den Müttern – und über den Frauen, die es vielleicht einmal werden möchten. Damit aber nicht genug! Sogar Frauen ohne Kinder haben etwas davon…

…denn allein die Spekulation über ihre Familienplanung reicht manchmal aus, eine Absage auf eine Bewerbung zu kassieren. Dabei sind Kinder wirklich kein Grund dafür, einen Job nicht zu bekommen und nicht mal familienbedingte Auszeiten sollten es sein. Das mangelnde Selbstbewusstsein aufgrund der Verunsicherung durch die “Kind und Karriere”-Diskussion ist allerdings eine Sache, die noch häufiger den Unterschied macht zwischen Zusage und Absage.

Den ersten Anlauf für diesen Artikel habe ich schon vor einiger Zeit unternommen, nachdem ich eine Nachricht von Stefanie (Name geändert) erhielt. Sie lautete:

“Liebe Cathrin, …ich bin mir unsicher, ob ich meinen Sohn im Lebenslauf angeben muss. Eine “Lücke” durch Elternzeit o.ä, entsteht nicht. Ich habe ihn in der Bewerbung weggelassen und bin im Gespräch nicht nach Kindern gefragt worden. Nun bin ich unsicher, ob ich ihn hätte erwähnen müssen. Was meinst du dazu?

Stefanie war sogar schon zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und machte sich trotzdem Sorgen! Was für ein Dilemma. Ich sagte ihr, wie es ist: Eine Pflicht zur Angabe des Familienstands und eventuell vorhandener Kinder gibt es nicht, solange die vereinbarten Arbeitszeiten in der Regel eingehalten werden können. Stefanie war sehr erleichtert. Sie hatte tatsächlich Sorge, dass ihr Kind ein Grund für eine nachträgliche Absage sein könnte.

Um einen lückenlosen Lebenslauf zu gewährleisten, führt häufig gar kein Weg daran vorbei, die Elternzeit anzuführen. Das gilt besonders dann, wenn das Arbeitsverhältnis vor oder während der Elternzeit endet. Wurde die Elternzeit aber innerhalb eines bestehenden Arbeitsverhältnisses genommen, muss sie gar nicht erscheinen. Ich rate dazu nicht, um die Elternzeit zu verstecken, sondern weil sie im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses so selbstverständlich sein sollte, dass sie gar keiner Erwähnung bedarf.

Generell ist es eine gute Idee, unter der Position “Elternzeit” auch Fortbildungen, Ehrenämter oder ähnliches zu erwähnen, falls jemand die Bewerbung beurteilt, der Mutterschaft nicht als persönlichkeits- und fähigkeitsbildende Hauptbeschäftigung wahrnimmt (obwohl wir alle wissen, dass es genau das sein kann). Aber natürlich auch, um solche wertvollen Erfahrungen nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

Eine weitere Nachricht erhielt ich von Maria (Name geändert). Sie hatte alle Angaben zu Familienstand und Kindern in ihrer Bewerbung weggelassen, aber schon bevor sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurde, kam die telefonische Rückfrage danach im Rahmen eines Erstgesprächs. Maria bestätigte, verheiratet zu sein und Kinder zu haben. Sie durfte glücklicherweise trotzdem (oder gerade deswegen) zum Zweitgespräch erscheinen.

Erst ganz am Ende, als der Vertrag bereits auf dem Tisch lag, ging es noch um die Anzahl der Kinder. Maria schaffte es, die Zahl 3 beiläufig genug zu erwähnen, um trotzdem unterschreiben zu dürfen. Die Begeisterung auf der Gegenseite hielt sich ihrer eigenen Aussage nach in Grenzen, aber immerhin, die Tinte unter dem Vertrag ist mittlerweile trocken. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Thema “Kinder” im Bewerbungsprozess immer noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Man sollte denken, die Frage nach Kindern im Lebenslauf beschäftige in erster Linie Frauen mit Kindern. Weit gefehlt. Eine Kundin, mit der ich über ihre Bewerbung sprach, fragte mich:

“Ich bin Ende 30, verheiratet und habe keine Kinder. Ich bekomme nur Absagen! Darf ich die Angaben zum Familienstand einfach weglassen?”

Natürlich darf sie! Aber spätestens im Vorstellungsgespräch kann die Frage nach der Familienplanung trotzdem aufkommen. Eine ebenso unangenehme wie unzulässige Frage, denn das ist eine absolute Privatangelegenheit. Wer es darauf ankommen lassen möchte, vermittelt genau das. Es genügt ansonsten die knappe Antwort, dass die Familienplanung abgeschlossen ist oder im Augenblick nicht im Fokus steht – eventuell gefolgt von der kritischen Überlegung, ob man für diesen Arbeitgeber tatsächlich loyal und mit Begeisterung tätig sein kann und will. Der Kommentar einer Leserin dazu auf Facebook:

“Falls die Sprache drauf kommt, kann man ja durchaus sagen, dass man Kinder hat, mit der Planung abgeschlossen hat und alles gut geregelt ist. Wenn möglich erst eher in der zweiten oder letzten Runde. Falls man Kinder erwähnt, dann bei kleinen Kindern möglichst ohne Alter. Proaktiv würd ich es allerdings nicht angehen, da man sonst sofort in eine Schublade gesteckt wird – leider. Schade, dass man als Frau so handeln sollte, um überhaupt eine Chance zu haben…”

Ob das wirklich so gehandhabt werden muss, bleibt Ermessenssache jeder einzelnen Frau. Fakt ist: Die gründliche Vorbereitung auf Fragen nach Kita-Streiks, Familienstand- und Familienplanung können im persönlichen Gespräch immer noch den Unterschied machen. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, die eine “richtige” Antwort zu geben, sondern mit Fragen zum Thema “Kinder” selbstbewusst umzugehen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Wie eine Leserin mir auf Facebook so schön schrieb:

“Kinder sind kein Grund, die Stelle nicht zu bekommen”. Das sehe ich allerdings ganz genauso!

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17 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Cathrin,

    aus meiner Sicht ist Ihr Artikel nicht energisch genug auf Seiten der (werdenden) Mütter! Hier wird wieder deutlich wie gefestigt die Meinung in der Gesellschaft ist, obwohl im Titel das Gegenteil suggeriert wird.

    Ich habe jahrelang Personal ausgewählt (, bin selbst Mutter) und natürlich kommt die Frage nach Kindern oder Kinderwunsch. Ich finde, dass es in den Lebenslauf gehört, dass man Mutter ist, auch die Anzahl der Kinder und das Alter. Als Arbeitsgeber will ich wissen, wen ich einstelle. Als Angestellter will ich sicher sein, dass ich der richtige für den Job bin.

    Mütter haben viele Talente, die kinderlose Frauen (noch) nicht haben. Auch zum Kinderwunsch, sollte jede Frau eine Antwort haben. Hier muss Fairness auf beiden Seiten bestehen. Ich gehe als Arbeitgeber sehr offen damit um, was meine Mitarbeiter erwartet, und sehe zu, dass es den Müttern so unkompliziert wie möglich gemacht wird, trotzdem zu arbeiten.

    Hier wird genau das verlangt, was ich als Alleinerziehende auch bei der Partnersuche: das Dilemma des Verschweigens. Wie soll jemand selbstbewusst in ein Bewerbungsgespräch gehen oder seinen Job gut machen, wenn sie ihre eigenen Kinder verschweigen muss! Schlimm genug, dass manche Berufe und ihre Arbeitszeiten sehr unflexibel sind. Wenn sich eine Mutter bewirbt, hat sie echt andere Sorgen, ihren Alltag mit Job zu regeln und wird sich das oft genug überlegt haben.

    Wenn Frauen mit dem Gedanken spielen müssen, ihre Kinder zu verschweigen, läuft gesellschaftlich (immer noch) etwas schief. Das darf nicht unterstützt werden. Als Coach sollten Sie darum mehr Mut zur Wahrheit machen (wie es in Ihren etwas Kommentaren deutlicher wird…)

    1. Liebe Steffi,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar, den ich gerne ausführlich beantworte. Tatsächlich ist mein Artikel kein leidenschaftlicher Appell “pro Mütter” oder “pro Kinder in den Lebenslauf”, denn davon haben wir meiner Meinung nach schon genug im Netz und wie wir sehen haben die bisher nicht so viel verändert.

      Meine Aufgabe sehe ich als Coach auch nicht in einer Demonstration zur Veränderung der Arbeitswelt, ich helfe Frauen viel mehr dabei, sich beruflich zu verwirklichen unter Berücksichtigung ihrer ganz eigenen Gegebenheiten. Mein Ziel ist es, für jede Frau mit der ich arbeite, eine individuelle Lösung zu finden, beruflich selbstbewusst ihren Weg zu gehen. Ein “one size fits all” gibt es dabei nicht, habe ich festgestellt. Im Artikel geht es mir hingegen darum, die verschiedenen Realitäten zu beleuchten, die zu dem Thema existieren und mich dem Thema sachlich zu nähern.

      Natürlich bin ich generell auch immer dafür, zu den eigenen Kindern zu stehen, wie könnte ich das als Mutter nicht. Nachdem ich aber mittlerweile mit vielen Frauen zusammengearbeitet habe, bin ich nicht mehr der Meinung, dass man das mit der Holzhammermethode (erster Absatz im Lebenslauf) pauschal immer und jeder Frau empfehlen sollte, weil die Umstände manchmal diffiziler sind. Das zentrale Argument hier lautet: Wenn der Familienstand nicht wichtig ist für die Ausübung des Jobs, warum sollte ich dann darauf bestehen, ihn so zentral im Lebenslauf aufzuführen?

      Wenn du selber Personal ausgewählt hast bin ich erstaunt, dass du dich mit der Frage nach dem Kinderwunsch selber nicht an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gehalten hast. Die Frage nach der Familienplanung ist unzulässig und geht, wie ich finde, wirklich unter die Gürtellinie und deutlich zu weit in die Privatsspähre hinein.

      Ich weiß natürlich, dass diese Frage trotzdem gestellt wird und bin geneigt, Frauen zu empfehlen, sie mit “Ich kann leider keine Kinder bekommen” zu beantworten. Lügen ist erlaubt bei dieser Frage und obwohl ich es mit Ehrlichkeit normalerweise äußerst (!!) genau nehme, wäre das die Antwort, die das Gegenüber vielleicht zum Nachdenken anregen könnte. Wahlweise kann man natürlich antworten: “Es tut mir leid, aber das ist privat.”

      Schwieriger wird es schon wieder, wenn frau den Job unbedingt haben möchte oder sogar braucht. Dann wird sie geneigt sein, die Frage nach der eigenen Familienplanung oder gar der eigenen Fruchtbarkeit vor einem wildfremden Menschen offenzulegen. Und schon stehen wir wieder vor dem Dilemma: Eine pauschale Antwort für alle Frauen gibt es einfach nicht!

      Herzliche Grüße und nichts für ungut :-)
      Cathrin

      1. Liebe Cathrin,

        vielen Dank für deine Antwort. Ich möchte kurz ergänzen, da ich mich nicht eindeutig ausgedrückt habe, dass “und natürlich kommt die Frage nach Kindern oder Kinderwunsch” nie im Gespräch selbst aufgetaucht ist. Wenn die Bewerbungen eintreffen und verglichen wird, dann stellt sich die Frage, aber nie an erster Stelle, denn hier steht Qualifikation und Persönlichkeit ganz oben.
        Für mich ist der Familienstand schon wichtig, denn ich bin davon überzeugt, dass Mütter Zusatzqualifikationen haben. Ob dies im Zusammenhang dargestellt werden sollte, steht auf einem anderen Blatt.

        Eine schöne Woche,

        Steffi

  2. Es gibt wohl solche und solche Chefs – man muss sich überlegen, wie man sich selbst darstellen will und worauf man Wert legt. Leider habe ich bereits vom männlichen CEO einer weltweit agierenden Firma gehört, wie er uns gegenüber zugegeben hat, wenn er die Wahl zwischen gleichermaßen gut qualifizierten männlichen und weiblichen Bewerbern hat, würde er auf jeden Fall den männlichen bevorzugen. Letzten Endes müsse er dafür sorgen, dass die Arbeit gemacht wird, Frauen seien da ein zu großes Risiko.

    Ein weiterer Geschäftsführer eines größeren Mittelständlers, selbst Vater zweier Kleinkinder, hat sich beim Besetzen einer neuen Stelle geärgert, fast nur Bewerbungen von Frauen zwischen 30 und 40 bekommen zu haben und hat versucht zu eruieren, welche das kleinere Übel sei – die, die bereits Kinder hat, oder die, die noch keins oder erst eins hat und vielleicht demnächst ein weiteres möchte. Als ein männlicher Bewerber kam wurde dieser sofort eingestellt, auch wenn seine Qualifikation nicht unbedingt die beste aller Bewerber war.

    Das ist leider die Realität, die nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wird. Nach außen hin sind diese Firmen natürlich alle familienfreundlich und ein equal opportunity employer. Wer’s glaubt….

    Letzten Endes bleibt einem nur die Möglichkeit, es solange zu versuchen, bis man Glück hat, aber zu glauben, man hätte als Frau die gleichen Chancen wie ein Mann, ist selbst im Jahr 2016 ein großer Irrglaube.

    1. Liebe Sabine,

      da hast du den Nagel meiner Meinung nach auf den Kopf getroffen. Es ist die eine Sache, wie wir es gerne hätten und wie es vor verschiedenen Hintergründen Sinn macht. Aber es gibt eben auch andere Perspektiven da draußen und die liegen nicht selten bei Entscheidern in der Wirtschaft. Eben deshalb sind und bleiben Kinder ein Thema im Bewerbungsprozess und wir sind noch nicht fertig mit dieser Diskussion.

      Herzliche Grüße
      Cathrin

  3. Hallo Cathrin,

    in dem ganzen Artikel geht es darum, was man in einer Bewerbung sagen oder nicht sagen soll, wenn man Kinder hat. Was aber, wenn man keine hat und auch keine will?

    Danke.
    Gruß
    Victoria

    1. Liebe Victoria,

      aus meiner Sicht (als Mutter und langjährige Geschäftsleitung) kann ich nur sagen: Wenn es so ist, dann sag es so! Und zwar kurz und knapp, ganz bewusst. Du bist damit ja nicht allein. Vielleicht hast du noch eine humorvolle Begründung, die deine sozialen Kompetenzen nicht in den Schatten stellt ;-)

    2. Liebe Victoria,

      danke für deinen Kommentar. Ich sehe das wie Steffi: Genauso kannst du es sagen – und wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest sogar im Lebenslauf schreiben, dann greifst du allen Spekulationen vor. Es ist allerdings eine sehr persönliche Information und nicht jeder wird sich damit wohl fühlen, sie zu offenbaren. Wie geht es dir damit!?

      Viele Grüße
      Cathrin

  4. Liebe Cathrin,

    ich finde, die Kinder gehören dazu und können/sollen deshalb auch im Lebenslauf erwähnt werden. Dass man/frau Kinder hat, bedeutet ja nicht, dass man nicht professionell damit umgehen kann. Die Familie und die Kinderbetreuung müssen natürlich so organisiert werden, dass die Arbeit nicht darunter leidet. Ich habe zum Beispiel nur im Notfall kurzfristig die Arbeit abgesagt, wenn ein Kind krank war.
    Aus meiner Sicht sind Kinder/Familie kein Schwachpunkt, sondern eher eine Stärke. Schade, wenn das manche Firmen und Bewerber anders sehen.

    Viele Grüße

    1. Liebe Antje,

      ich sehe das natürlich ganz genauso wie du. An den Leserstimmen und dem Kundinnenfeedback sehen wir aber auch, dass es nocht nicht ganz soweit ist, dass wir nicht mehr drüber sprechen müssten. Gleichzeitig bin ich auch der Meinung, dass zunehmend weniger Arbeitgeber überhaupt noch auf Mütter verzichten wollen – und können. Gut so! Ihnen würde auch viel entgehen!

      Herzliche Grüße
      Cathrin

  5. Liebe Cathrin,
    die Fragestellung “soll ich in meiner Bewerbung angeben, ob ich ein Kind habe” ist legitim. Aber Dein Beitrag ist so aufgebaut, als sei ein Kind stets ein Negativmerkmal, und die Frage sei, ob man dieses Negativmerkmal nun angeben müsse oder nicht, das ist überhaupt nicht richtig.
    Ich selbst führe ein kleines Ingenieurbüro mit knapp einem Dutzend Mitarbeitern. Wir leiten für unsere Kunden mehrjährige Projekte mit einem Volumen von mehr als 100 Mio Euro. Da ist Kontinuität wichtig, auch und gerade personelle Kontinuität. Nun ist vor knapp zwei Jahren unsere Teamassistentin schwanger geworden. Wir haben uns mit ihr gefreut. Aber weil sie uns nicht sagen muss, wie lange sie eine Auszeit nehmen möchte, erschwert uns das die Vertretungsregelung. Natürlich halten wir ihr den Arbeitsplatz frei und haben eine Schwangerschaftsvertretung eingestellt. Inzwischen ist auch die Schwangerschaftsvertretung schwanger geworden. Wir haben uns mit ihr gefreut – aber auch hier wissen wir nicht, ob und wann sie wiederkommen wird. Die dritte Teamassistentin haben wir von einer Personalleasingfirma geholt. Nach einigen Monaten ist sie zu uns gewechselt, sie fühlt sich bei uns besser aufgehoben als bei der Leasingfirma. Vielleicht wird auch sie schwanger …
    Personalwechsel in langlaufenden Projekten ist für den Projekterfolg sehr gefährlich. Aber das Risiko habe ich auch bei einem Mann. Der kann krank werden, der kann den Arbeitgeber wechseln, und Elternzeit kann er auch nehmen.
    Ich brauche Mitarbeiter, die selbständig handeln und die Verantwortung übernehmen. Wer Mutter ist, beweist, dass er Verantwortung für andere über Jahrzehnte übernimmt. So jemand übernimmt auch Verantwortung für die Aufgaben, mit denen ich ihn betraue. Mich als Arbeitgeber interessiert also sehr wohl, ob jemand Kinder hat oder nicht. Die Vorteile überwiegen gegenüber den oben genannten nicht unerheblichen Nachteilen. Und ich stehe mit meiner Meinung nicht allein. Vielleicht ist Nadine (Leserbrief von gestern) ja nicht eingestellt worden, obwohl sie ein Kind hat, sondern weil sie ein Kind hat.
    Als Bewerber würde ich wissen wollen, ob ich mich in dem Betrieb wohl fühlen werde. Ob mir die Arbeit Spaß macht. Ob ich ins Team passe. Will ich in einem Unternehmen arbeiten, das Kinder als Negativmerkmal betrachtet? Sicher nicht. Wenn mich ein Arbeitgeber wegen meines Kindes oder meiner Kinder ablehnt, dann ist das gut so, denn bei dem hätte ich mich sicher nicht wohlgefühlt.
    Also, Frauen, nur Mut!
    Stefan

    1. Lieber Stefan,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar aus Arbeitgebersicht! Bitte beachte meinen letzten Satz: “Kinder sind kein Grund, die Stelle nicht zu bekommen. Das sehe ich auch so!” Schließlich bin ich selber Mutter, wie könnte ein Kind da für mich ein Negativmerkmal sein ;-)

      Tatsächlich glaube ich, dass Kinder häufig gar nicht der Grund sind für eine Absage, sondern eher eine mangelnde Passgenauigkeit auf die ausgeschriebene Stelle oder Bewerbungsunterlagen, die nicht gut genug ausgearbeitet waren.

      Gleichzeitig sind noch nicht alle Unternehmen so aufgeschlossen wie du, so dass es durchaus zu solchen Erfahrungen kommen kann, die sich dann widerum herumsprechen und ein allgemeines “Unbehagen” zu dem Thema auslösen.

      So oder so: Es bleibt ein Thema solange es Frauen beschäftigt. Im Idealfall werden es immer weniger und wir müssen eines Tages gar nicht mehr darüber sprechen.

      Viele Grüße
      Cathrin

  6. Ich gebe meine 3-jährige Tochter im Lebenslauf immer mit an, mit dem Hinweis, dass die Betreuung gesichert ist. Bisher ist es immer gut angekommen, offensiv und selbstbewusst damit umzugehen. Da mein Kind zu mir dazugehört und ich bisher beweisen konnte, dass Job und Familie als Frau zu vereinbaren sind, hat es mir bisher nicht geschadet. Allerdings weiß ich nicht, ob es bei mehr Kindern nicht für mich auch schwieriger wäre, den Fuß in die Tür zu bekommen. Leider ist unsere Gesellschaft noch nicht weit genug, Arbeitszeiten, homeoffice und Betreuungsangebote stärker zu flexibilisieren. Und immer noch zieht dabei meisten die Frau den Kürzeren.
    Ich hoffe, dass sich hier die Arbeitswelt bald wandelt und die Frauen sich bald keine Gedanken mehr darüber machen müssen, ob sie Kinder angeben oder nicht und ob es schadet, Kinder zu haben oder kinderlos zu sein.

    1. Liebe Nadine,
      ich glaube nicht, dass es an der Anzahl der Kinder liegt sondern tatsächlich, wie du es auch bestätigst, an der Art und Weise, wie man selber damit umgeht. Ein zweiter Faktor ist, wie der Arbeitgeber mit dem Familienstatus umgeht. Im Idealfall versteht er die Bereicherung einer heterogenen Mitarbeiterstruktur und hat das Handwerkszeug, die Organisation so anzupassen, dass eine Beschäftigung von Müttern für beide Seiten eine Win-win Situation darstellen kann.
      Viele Grüße und danke dir für deinen Kommentar!
      Cathrin

  7. Momentan auch bei uns ein Thema. über 40 Bewerbungen… grade mal 1 Gespräch. Ich überlege zukünftig die Kinder weg zu lassen – obwohl ich der Meinung bin dass es zu einer vertrauensvollen Basis dazu gehört darüber zu informieren. Aber wie es aussieht wollen Unternehmen kein vertrauensvolles Miteinander…

    1. Liebe Petra,

      es ist und bleibt ein Thema! Trotzdem bin ich immer vorsichtig mit einem Urteil, wenn ich die Bewerbung nicht kenne. Denn es muss nicht an den Kindern liegen.

      Wenn du sicher bist, dass deine Bewerbung optimal ausgearbeitet ist und durch das Weglassen der Kinder keine eklatante und nicht erklärbare Lücke im Lebenslauf entsteht, kannst du es natürlich auch einmal so versuchen!

      Viel Erfolg – so oder so!
      Herzlichst
      Cathrin

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