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Warum Weiterbildung wichtig ist – und trotzdem vielen nichts bringt

Ist Weiterbildung wichtig? Die simple Antwort darauf lautet: JA! Aber ist Weiterbildung pauschal eine Garantie dafür, beruflich weiterzukommen und erfolgreich im Job zu sein? Leider nein.

Unsere Wissensgesellschaft gibt uns gerne das Gefühl, immer einen Schritt hinten dran zu sein. Irgendjemand weiß immer mehr und hat eine “bessere” Aus- oder Weiterbildung im Portfolio. Kurzum: Das ist der Stoff, aus dem schlaflose Nächte gemacht sind!

Es wäre zum Verzweifeln, wenn wir nicht die Option hätten, die Kirche im Dorf zu lassen, erst einmal tief durchzuatmen und das Thema von einer ganz anderen Seite anzugehen!

Der Weiterbildungsmarkt

Im Jahr 2017 gab es rund 15,13 Millionen Personen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren, die besonderes Informationsinteresse an beruflicher Weiterbildung hatten (Quelle: Statista). Wie immer liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich darüber und erstmal ist das natürlich eine gute Nachricht.

Aber Weiterbildung ist damit auch ein wirklich guter Markt für profitorientierte Anbieter, weswegen das Angebot unfassbar groß ist und die Werbeversprechen oftmals denen der Abnehmindustrie gleichen: Jetzt buchen, wenn Sie beruflich nicht den Anschluss verlieren wollen!

Dieses Versprechen einer “sicheren Bank” kann zu einem Weiterbildungsaktionismus führen, bei dem der wichtigste Punkt manchmal in Vergessenheit gerät:

Es geht nicht um das Wissen allein!

Ich treffe regelmäßig Menschen, die Weiterbildungen belegen, als würden sie dafür bezahlt. Sich für einen Kurs entscheiden, sich einschreiben und den langen Atem für Hausarbeiten und Lernen mitbringen macht ihnen überhaupt nichts aus. Und nicht falsch verstehen, ich finde das großartig und empfinde großen Respekt für jede Denkleistung!

Aber am Ende des Tages kommt es darauf an zu verstehen wo das ganze Wissen eingesetzt und genutzt werden soll. Wo erfüllt es einen Dienst? Wie kann es die Welt, deine Arbeit oder dich selber zum Besseren verändern?

First things first!

Eine Weiterbildung kann also eine großartige Sache sein, aber sie bringt gar nichts, wenn du nicht weißt, was du damit anfangen willst oder wenn das erworbene Wissen schlichtweg nirgendwo gefragt ist.

Entsprechend sollte am Anfang nicht die Frage stehen: “Welche Weiterbildung soll ich nur machen – und bei welchem Anbieter?” sondern die Frage: “Was möchte ich mit dem gewonnenen Wissen eigentlich erreichen?”

Der Grund, warum viele Menschen diesen Schritt überspringen ist, dass es viel einfacher ist, eine Weiterbildung zu buchen oder sich für einen weiteren Studiengang einzuschreiben, als in die Innenschau zu gehen und die eigenen Ziele zunächst zu hinterfragen.

Ein Weiterbildungsangebot wahrzunehmen ist erst einmal eine Form von Konsum. Der Mehrwert entsteht erst durch den Einsatz des gewonnenen Wissens!

Weiterbildung in der Bewerbung

Nicht selten sehe ich Lebensläufe, in denen die Anzahl an Weiterbildungen die Berufserfahrung überstimmt. Aber was ist von diesen Weiterbildungen hängen geblieben? Wie wurde das Wissen eingebracht in den jeweiligen Job oder die Wahl des nächsten Arbeitgebers? Wie hat es die Arbeitsweise, die Persönlichkeit, das Weltbild oder das Kundenverständnis zum Positiven verändert?

Viel hilft nicht automatisch viel.

Wie es besser geht

Wie sinnvolle Weiterbildung geht, lässt sich beispielsweise von guten Softwareentwicklern lernen. Sie sind mit ihrer Weiterbildung niemals fertig, sondern orientieren sich immer an dem aktuellen Problem, das gerade gelöst werden muss. Sie empfinden es als Herausforderung, sich neue Programme oder Programmiersprachen zu erschließen, nicht um des Wissens willen, sondern aufgrund der konkreten Lösungsversprechen, die sich dahinter verbergen:

Problem => Lernen, wie das Problem zu lösen ist => Problem lösen

Neben der absoluten Praxistauglichkeit verspricht diese Herangehensweise übrigens auch einen Haufen intrinsische Motivation – also die Art von Motivation, die man nicht mit Geld kaufen kann. Deswegen hat man bei Programmierern auch oft das Gefühl, dass sie nicht nur irgendeinen Job machen, sondern ihr Thema leben.

Probleme gibt es aber nicht nur in der IT, sondern in nahezu jedem denkbaren Fach auf der Welt. Die Frage ist, für welches Fach entscheidest du dich?

Fazit

Natürlich prägt Wissen in vielerlei Hinsicht. Es kann uns intelligenter, umsichtiger, erkenntnisreicher machen. Aber dann ist es keine Weiterbildung sondern ein Beitrag zu unserer persönlichen Entwicklung – kein Versprechen auf einen gut bezahlten Job.

Die Frage ist also immer: Warum will ich überhaupt eine Weiterbildung machen? Was verspreche ich mir davon?

Egal, ob ich sie für mich selber oder konkret für mein berufliches Weiterkommen mache, wertvoll ist sie nur dann, wenn ich sie selber mit Leben fülle und das Gelernte auch ein- und umsetze.

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